
„Easy! Not heavy!“ beteuerten diese vier immer wieder. Wie oft sie schon hier oben, auf 5364 Metern Höhe am Everest Base Camp waren, wussten sie selber nicht.

Wahrscheinlich war dieser letzte Teil für sie aber wirklich easy.
Denn zumindest hatten sie hier kein Gepäck dabei. Unser Gepäck. Das war im letzten Tea House geblieben, weil wir am Abend ohnehin, schwer schnaufend, wieder dort schlafen würden. Wir, eine wild zusammengewürfelte Truppe. Acht Flachlandbewohner aus vier Kontinenten. Die alle den gleichen Trip gebucht hatten.
In zwölf Tagen zum höchsten Berg der Welt und zurück nach Lukla. Einem der abenteuerlichsten Flughäfen der Welt. Piloten brauchen eine Sonderausbildung, um die Maschine nicht gegen die Felswand am Ende der gerade mal 500 Meter langen Landebahn zu klatschen. In dünner Luft in 2876 Metern Höhe.


Von da an geht es nur noch zu Fuß weiter. Auf dem felsigen Everest Trail gibt es keine Autos, keine Mopeds, keine technischen Fortbewegungsmittel.
Dafür aber wenig Sauerstoff. Wenn man die Höhe nicht gewohnt ist, liegt der Ruhepuls selbst im Sitzen bei mindestens 120. Mit Fitness hatte das wenig zu tun. Drei Mitwanderer aus unserer Gruppe, allesamt gestandene Armee-Elitesoldaten, kämpften bis zum Schluss mit der Höhenkrankheit. Einer von ihnen gab mittendrin auf.
Ich hatte mich gleich am ersten Tag regelrecht auseinandergekotzt, war ab da für den Rest der Tour aber erstaunlicherweise halbwegs fit.
Wandern war trotzdem anstrengend.
Deshalb war jeder froh, die vier Porter dabei zu haben. Allesamt einen halben Kopf kleiner als wir, keiner wog mehr als 60 Kilo, jeder von ihnen trug zwei unserer Taschen. Maximal acht Kilo durfte eine davon wiegen. Trotzdem war allen aus der Wandertruppe mächtig unangenehm, das Zeug nicht selbst zu schleppen – auch wenn wir das kaum geschafft hätten.
Die Bewohner schaffen alles. Zu Fuß über, im wahrsten Sinne, Stock und viel Stein, wackelige Hängebrücken, bergauf, bergab gibt es so gut wie nichts, das nicht schon mal die 65 km des Everest Trails hinaufgetragen wurde.




Nur wirklich schweres Zeug übernehmen Yaks


Wir waren schon froh, dass wir uns, über den höchsten Pass auf 5700 Metern Höhe, über die riesige Gerölllawine, die seit letztem Jahr ein Stück des Wegs versperrte, bis zu der Stelle hochgeschleppt hatten, an der für andere die Kletterei erst beginnt und manchmal auch endet.

Die letzten gut 3000 Meter sind inzwischen ein Zig-Millionen-Geschäft.
Allein die Erlaubnis, auf den Everest klettern zu dürfen, kostet in der Hauptsaison im Frühjahr 15000 $. Alles in allem muss man für den Trip zum Gipfel mit 75000 $ rechnen. Ein Riesengeschäft, vor allem für die externen Touranbieter. Aber auch die lokalen Sherpas, die zu Beginn der Saison den Klettertouristen teils eine regelrechte Treppe ins Eis hauen, ernähren halbe Dörfer mit dem, was sie am höchsten Berg verdienen.

Ich weiß seit unserer Wanderung zum Base Camp allerdings, dass ich nie nach ganz oben will. Jahr für Jahr sterben ein bis drei Sherpas auf dem Weg zum Gipfel. In Lawinenjahren sind es deutlich mehr.

Mir reichte schon, dass zwölf Tage lang jemand mein Gepäck geschleppt hat. Und dass ich mich vielleicht sogar korrekt aufs Klo gesetzt habe.
