
„Stoyat‘ sprava, idti sleva!“ Man verstand kein Wort, wusste aber sofort, was die Frau da unten in ihrem Glaskasten durch die Lautsprecher brüllte, und stellte sich brav auf der rechten Seite der Rolltreppe hintereinander. Auch wenn man praktisch alleine war auf dem Weg in die Tiefe.

Rechts stehen, links gehen war eiserne Regel in Moskauer U-Bahnhöfen. Und die Dezhurnaya u eskalatora – die „Mitarbeiterin an der Rolltreppe“ – überwachte mit Argusaugen, dass sich jeder daran hielt.

Wenn es nicht gerade etwas noch Wichtigeres gab.

Aber schließlich waren die Aufseherinnen – es waren grundsätzlich Frauen – für die Sicherheit dieser Todesmaschinen zuständig. Und das bedeutete für alle: Hand am Handlauf und nicht rennen, wenn man schon glaubte, unbedingt sein Leben riskieren zu müssen, beim gemächlichen (!) Gang auf der linken Seite.
2017 wurden die Mitarbeiterinnen an der Rolltreppe im Rahmen einer „umfassenden Modernisierungs- und Effizienzstrategie“ abgeschafft.

Einige von ihnen bekamen vollkommen würdelose neue Tätigkeiten.


Die frustrierende Erkenntnis: Die Unfallquote ist in den Moskauer U-Bahn-Stationen seitdem – offiziell – nicht gestiegen. Aber die Statistiken sind sicher allesamt gefälscht.